NICHE
100 × 100 × 60 cm

Eine Nische öffnet ihrer Bedeutung nach einen Raum, den sie gegenüber dem Kontext einhegt, in den sie eingebettet ist. Sie schafft Platz und eine eigenständige Sphäre, die sie strukturell wie inhaltlich eingrenzt, und bleibt dabei mit dem größeren Ganzen verbunden, dessen Teil sie wesenhaft ist.

Das Wort ›Nische‹ leitet sich vom französischen ›la niche‹ ab, einem Begriff, der in seiner romanischen Quellsprache stärker als im Deutschen für die kunsthistorische Betrachtung von Werken der Baukunst Verwendung findet. Dies insbesondere unter dem Aspekt ihrer Funktion als Bewahrerin von Statuen und kultischen Gegenständen.

Eingelassen in die Architektur des Raums referiert die Niche bei Familie Berkson auf diesen Begriff und übersetzt ihn als permanentes Ausstellungsdisplay für wechselnde Präsentationen ästhetisch wie kuratorisch in einen zeitgenössischen Kontext. In Form einer quadratischen Wandvertiefung im Eingangsbereich des anschließenden Salons öffnet sie einen der Kunst designierten Ort: Einen minimalistischen, glatt geschnittenen Cube. Er hinterfängt das jeweils ausgestellte Werk und bietet, ungefähr auf der Höhe eines menschlichen Torsos gelegen, einen freien Blick darauf. Wiewohl, dies zur Gänze einwandfrei ausschließlich auf eine Seite des Objekts und sich — je nach dessen Gestalt und dem jeweiligen Abstand zu den Wänden — weitere Ansichten nur teilweise offenbaren. Die abgewandte Seite bleibt im Verborgenen. Die Niche ist unverschlossen und gewährt einen Einblick in ihren Raum, ist aber aufgrund ihrer Höhe nicht betretbar. 

So entfällt im Gegensatz zu einem Podest, etwa wenn dieses frei im Raum platziert wäre, die Möglichkeit, das Werk von jeder Seite zu betrachten. In der Niche ist es weniger ausgesetzt und steht in einem geschützten Refugium, in dem es sich gegebenenfalls auch anlehnen kann. Die Niche stellt nicht in den Vordergrund, sondern exponiert durch Rücknahme. Sie weist nicht schon von weitem auf die Präsenz eines besonderen Gegenstands hin, sondern offenbart erst durch ein Aufsuchen und im direkten vis-à-vis. So können auch nur wenige zugleich in eine exklusive Kommunikation mit dem Kunstwerk treten.Die Wände der Niche ragen ein Stück weit über die Mauer hinaus in den Raum hinein und bilden damit einen akzentuierten Rahmen für das ausgestellte Objekt.

Jede Schau zeigt ausschließlich eine Arbeit, wobei diese von wechselnden Künstlerinnen und Künstlern eigens für den Ort geschaffen wird, und entpuppt sich in der Reduktion der Präsentation auf ein Kunstwerk im weiteren Kontext des kuratorischen Konzepts als ausgeklügeltes Verweissystem, das sich nicht in der Ausstellung eines Werks erschöpft, sondern verschiedene weitere Elemente einbindet und konzeptuell in ein größeres Ganzes setzt. Als ein dreidimensionaler Frame mit Tiefenwirkung, der die Kontinuität der Wandfläche als deren Negation unterbricht, erfasst die Niche das Objekt haptisch und zugleich in einer optisch-indexikalischen Zuweisung seinen Innenraum als Ort der Kunst.

Philipp Levar

No. 1 —

Valentin Ruhry

20. November 2014

Gespräch mit Christian Witt-Dörring, Musik: Benji Fox Rosen, Maciej Golebiowski, Fabian Pollack

No. 2 —

Jenni Tischer

29. January 2015

Gespräch mit Ulrike Köppinger, Musik: Clemens Salesny, Lukas Kranzelbinder

No. 3 —

Sissa Micheli

7. May 2015

Gespräch mit Roland Fischer-Briand, Musik: Trent Arkleysmith Trio

No. 4 —

Johannes Weckl

30. June 2015

Gespräch mit Thea Hoffmann-Axthelm, Musik: Natalia Escobar

No. 5 —

Andreas Greiner

1. September 2015

Gespräch mit Erich Pucher, Musik: Benny Omerzell, Therese Strasser

No. 6 —

Ulrike Köppinger

10. November 2015

Gespräch mit Melissa Lumbroso, Musik: Samuel Schaab

No. 7 —

ART N MORE

12. January 2016

Paul Bowler & Georg Weißbach, Musik: Heinz Böhm

No. 8 —

Christoph Meier

8. March 2016

Gespräch mit Peter Pakesch, Musik: Robert Schwarz

No. 9 —

Katrin Hornek

4. April 2016

Gespräch mit Michael Wagreich, Andreas Greiner, Musik: Christina Kapusta, Jörg Leichtfried, Philipp Kienberger

No. 10 —

Kerstin von Gabain

21. June 2016

Gespräch mit Sebastian Hackenschmidt, Musik: Nino Stelzl

No. 11 —

Julia Zastava

13. September 2016

Gespräch mit Philipp Levar, Musik: AC/Boy

No. 12 —

Roberta Lima

22. November 2016

Gespräch mit Erika Artaker, Musik: das_em

No. 13 —

Sherine Anis

31. January 2017

Gespräch mit Matthias Kaiser,
Musik: Jonas Kägi

No. 14 —

Julian Palacz

21. March 2017

Gespräch mit Magdalena Stöger,
Musik: Réka Kutas

Sandra und Avram Berkson laden regelmäßig in ihre privaten Räumlichkeiten zu einer als Soiree angelegten Ausstellungsreihe, wobei jeweils eine neue Arbeit wechselnder Künstlerinnen und Künstler gezeigt wird.

Der Ausstellungsraum ist die Niche* in der Wand. Die äußere Begrenzung der künstlerischen Arbeiten wird so zunächst bestimmt, um den Raum gleichwohl jedes Mal wieder aufs Neue wesenhaft denken zu können.

Zu jeder Ausstellung erscheint eine fadengeheftete Broschur in einer Auflage von hundertachtzig Exemplaren plus einer dreiteiligen, signierten Serigrafie.

Die Reihe wird kuratorisch begleitet von Itai Margula.

Gestalterisches Konzept / Fotografie: Katarina Schildgen & Paul Gasser

Code: cyberfranz

Fotografie Valentin Ruhry,
Pool: David Freund